Was ist der BRI?
Der Body Roundness Index (BRI) ist eine Messgröße zur Beurteilung der Körperform und des damit verbundenen Gesundheitsrisikos. Er wurde 2013 von Diana Thomas (Montclair State University) und Kollegen im Fachjournal Obesity veröffentlicht und berücksichtigt ausschließlich Taillenumfang und Körpergröße.
Der BRI modelliert den menschlichen Körper mathematisch als geometrische Ellipse. Je größer der Taillenumfang im Verhältnis zur Körpergröße, desto höher der BRI-Wert und desto mehr viszerales Bauchfett ist vorhanden.
Viszerales Fett umgibt die inneren Organe, produziert Entzündungsstoffe und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck. Der BRI macht diese Fettansammlung messbar, ohne dass eine Gewichtsmessung notwendig ist.
Wie funktioniert der BRI-Rechner?
Unser BRI-Rechner berechnet den Body Roundness Index aus zwei Pflichtangaben und einer optionalen Eingabe.
Eingaben:
- Geschlecht (Männlich oder Weiblich, für die WHO-Risikoeinschätzung)
- Körpergröße in Zentimetern
- Taillenumfang in Zentimetern (an der schmalsten Stelle zwischen Rippen und Beckenkamm)
- Körpergewicht in Kilogramm (optional, für den BMI-Vergleich)
Ergebnisse:
- BRI-Wert auf zwei Dezimalstellen
- BRI-Kategorie nach 5-stufiger Klassifikation mit farbiger Skala
- Taille-Größe-Verhältnis (Waist-to-Height Ratio) als Zusatzindikator
- WHO-Taillenumfang-Risikoeinschätzung nach Geschlecht
- Personalisierter BMI-Vergleich bei Gewichtseingabe
- Kategoriespezifische Empfehlungen für Ihren BRI-Bereich
Unser Rechner zeigt nach der Berechnung automatisch den vollständigen Rechenweg mit allen Zwischenschritten.
Die BRI-Formel
Der BRI berechnet sich nach einer Ellipsenformel aus der Originalarbeit von Thomas et al. (2013). Der menschliche Körper wird dabei vereinfacht als geometrischer Zylinder mit elliptischem Querschnitt modelliert.
BRI = 364,2 - 365,5 × √(1 - (c / a)²)
Die beiden Hilfsgrößen c und a werden aus Ihren Eingaben berechnet:
c = Taillenumfang (m) ÷ 2π (Taillenradius)
a = Körpergröße (m) ÷ 2 (halbe Körpergröße)
c ist der Taillenradius: Da der Umfang eines Kreises gleich 2πr ist, ergibt sich der Radius durch Division durch 2π (ca. 6,2832).
a ist die halbe Körpergröße und dient als Halbachse der Ellipse, die den Körperumriss beschreibt.
Die Konstanten 364,2 und 365,5 wurden von Thomas et al. empirisch aus Körpermessdaten einer Referenzpopulation ermittelt. Sie sind feste Studienwerte. Der theoretische BRI-Bereich liegt zwischen 1 und 16.
Beispiele für die BRI-Berechnung
Die folgenden drei Beispiele zeigen die vollständige Berechnung für unterschiedliche Körperprofile. Alle Maße werden zunächst von Zentimetern in Meter umgerechnet.
Beispiel 1: Schlanke Frau
Eine 165 cm große Frau mit einem Taillenumfang von 68 cm. Der Taillenumfang liegt deutlich unter der Hälfte der Körpergröße, was auf wenig viszerales Bauchfett hindeutet.
c (Taillenradius) = 0,68 ÷ 6,2832 = 0,1082 m
a (halbe Größe) = 1,65 ÷ 2 = 0,8250 m
c ÷ a = 0,1082 ÷ 0,8250 = 0,1312
(c ÷ a)² = 0,1312² = 0,0172
1 - 0,0172 = 0,9828
√0,9828 = 0,9914
BRI = 364,2 - 365,5 × 0,9914 = 364,2 - 362,3 = 1,86 → Sehr schlank
Ein BRI von 1,86 liegt weit unter der Grenze von 3,41. Das Taille-Größe-Verhältnis beträgt 0,41 und liegt damit im gesunden Bereich unter 0,5.
Beispiel 2: Mann mit schlankem Bauchbereich
Ein 180 cm großer Mann mit einem Taillenumfang von 95 cm. Der Taillenumfang entspricht ca. 53 % der Körpergröße und liegt damit knapp über dem Richtwert von 0,5.
c (Taillenradius) = 0,95 ÷ 6,2832 = 0,1512 m
a (halbe Größe) = 1,80 ÷ 2 = 0,9000 m
c ÷ a = 0,1512 ÷ 0,9000 = 0,1680
(c ÷ a)² = 0,1680² = 0,0282
1 - 0,0282 = 0,9718
√0,9718 = 0,9858
BRI = 364,2 - 365,5 × 0,9858 = 364,2 - 360,3 = 3,89 → Schlank
Ein BRI von 3,89 fällt in die Kategorie "Schlank" (3,41 bis 4,44). Der Wert zeigt einen moderaten Bauchfettanteil ohne erhöhtes Gesundheitsrisiko.
Beispiel 3: Frau mit erhöhtem Bauchfettanteil
Eine 165 cm große Frau mit einem Taillenumfang von 105 cm. Der Taillenumfang beträgt 64 % der Körpergröße und liegt damit deutlich über dem Richtwert von 0,5.
c (Taillenradius) = 1,05 ÷ 6,2832 = 0,1671 m
a (halbe Größe) = 1,65 ÷ 2 = 0,8250 m
c ÷ a = 0,1671 ÷ 0,8250 = 0,2026
(c ÷ a)² = 0,2026² = 0,0410
1 - 0,0410 = 0,9590
√0,9590 = 0,9793
BRI = 364,2 - 365,5 × 0,9793 = 364,2 - 357,9 = 6,28 → Überdurchschnittlich
Ein BRI von 6,28 liegt in der Kategorie "Überdurchschnittlich" (5,46 bis 6,90) und weist auf einen deutlich erhöhten Bauchfettanteil hin. Ab diesem Wert wird eine ärztliche Einschätzung empfohlen.
BRI-Werte und ihre Bedeutung
Der BRI wird in 5 Kategorien eingeteilt. Höhere Werte stehen für mehr viszerales Bauchfett und ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.
| BRI-Wert | Kategorie | Gesundheitliche Bedeutung |
|---|---|---|
| unter 3,41 | Sehr schlank | Sehr geringer Körperfettanteil |
| 3,41 bis 4,44 | Schlank | Gesunder, schlanker Bereich |
| 4,45 bis 5,45 | Durchschnittlich | Moderates Risiko, Verbesserung möglich |
| 5,46 bis 6,90 | Überdurchschnittlich | Erhöhter Bauchfettanteil, Risiko steigt deutlich |
| 6,91 und höher | Hohe Rundheit | Stark erhöhtes Gesundheitsrisiko, ärztliche Abklärung empfohlen |
Was bedeutet das für Sie konkret?
- Sehr schlank (unter 3,41): Geringer Bauchfettanteil. Auf ausreichende Nährstoffzufuhr und den Erhalt der Muskelmasse achten.
- Schlank (3,41 bis 4,44): Optimaler Bereich. Aktiven Lebensstil beibehalten.
- Durchschnittlich (4,45 bis 5,45): Moderates Risiko. Regelmäßige Bewegung und ballaststoffreiche Ernährung können den Wert senken.
- Überdurchschnittlich (5,46 bis 6,90): Erhöhtes Risiko. Lebensstiländerungen mit ärztlicher Begleitung empfehlenswert.
- Hohe Rundheit (ab 6,91): Deutlich erhöhtes Risiko. Ärztliche Abklärung wird empfohlen.
Wichtig: Auch sehr niedrige BRI-Werte unter 3,41 sind nicht risikofrei. Eine US-amerikanische Studie aus 2023 zeigte, dass Personen mit sehr niedrigen Werten ein erhöhtes Sterberisiko aufweisen, möglicherweise durch Muskelschwund oder Unterernährung.
Durchschnittliche BRI-Werte nach Alter und Geschlecht
Der BRI steigt mit dem Alter an, da Muskelmasse abnimmt und sich Körperfett stärker im Bauchbereich verteilt. Zhang et al. ermittelten in einer großen US-amerikanischen Bevölkerungsstudie folgende Referenzwerte:
Männer:
| Altersgruppe | Durchschnittlicher BRI |
|---|---|
| 18 bis 29 Jahre | 2,91 ± 0,98 |
| 30 bis 39 Jahre | 3,54 ± 1,12 |
| 40 bis 49 Jahre | 3,92 ± 1,18 |
| 50 bis 59 Jahre | 4,21 ± 1,23 |
| 60 bis 69 Jahre | 4,35 ± 1,25 |
| ab 70 Jahren | 4,31 ± 1,27 |
Frauen:
| Altersgruppe | Durchschnittlicher BRI |
|---|---|
| 18 bis 29 Jahre | 2,61 ± 0,89 |
| 30 bis 39 Jahre | 3,13 ± 1,12 |
| 40 bis 49 Jahre | 3,67 ± 1,30 |
| 50 bis 59 Jahre | 4,25 ± 1,40 |
| 60 bis 69 Jahre | 4,61 ± 1,46 |
| ab 70 Jahren | 4,71 ± 1,51 |
Frauen ab 50 Jahren weisen im Schnitt einen höheren BRI auf als gleichaltrige Männer. Hormonelle Veränderungen nach der Menopause begünstigen die Fetteinlagerung im Bauchbereich. Diese Tabellen helfen, den eigenen BRI-Wert im Vergleich zur Altersgruppe einzuordnen.
BRI und BMI im Vergleich
Der BRI ersetzt den BMI nicht, sondern ergänzt ihn. Beide Kennzahlen erfassen unterschiedliche Aspekte der Körperzusammensetzung.
Der BMI berechnet sich aus Gewicht und Körpergröße. Er unterscheidet nicht zwischen Muskel- und Fettmasse. Ein Kraftsportler mit viel Muskelmasse kann denselben BMI-Wert erreichen wie eine inaktive Person mit hohem Körperfettanteil. Muskulöse Personen können ihren FFMI berechnen, um Muskelmasse und Körperfett getrennt zu bewerten.
Der BRI bezieht den Taillenumfang ein und erkennt viszerales Bauchfett auch dann, wenn das Gesamtgewicht noch im Normalbereich liegt. Dieses Phänomen nennt man "metabolisch adipös, normalgewichtig".
Zwei typische Fälle, in denen BRI und BMI voneinander abweichen:
- Hoher BMI, niedriger BRI: Muskulöse Personen haben ein hohes Gewicht, aber einen schlanken Taillenumfang. Der BMI überschätzt hier das Gesundheitsrisiko.
- Normaler BMI, hoher BRI: Inaktive Personen mit wenig Muskelmasse können trotz Normalgewicht erhöhtes Bauchfett aufweisen. Der BMI übersieht dieses Risiko vollständig.
Unser Rechner zeigt bei Gewichtseingabe automatisch einen personalisierten Vergleich beider Werte und erklärt, welcher Indikator in Ihrem Fall die präzisere Aussage liefert. Den Body-Mass-Index allein berechnen Sie mit unserem BMI-Rechner.
Wissenschaftliche Grundlagen des BRI
Die wissenschaftliche Basis des BRI ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Zwei Studien sind besonders relevant.
Zhang et al. veröffentlichten im Juni 2024 im JAMA Network Open die Studie "Body Roundness Index and All-Cause Mortality Among US Adults". Die Forschenden untersuchten den Zusammenhang zwischen BRI und Gesamtmortalität in einer großen US-amerikanischen Bevölkerungsstichprobe.
Zentrale Ergebnisse der Zhang-et-al.-Studie aus 2024:
- Personen mit einem BRI über 6,9 hatten ein um 49 % erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Personen mit mittleren BRI-Werten
- Auch sehr niedrige BRI-Werte unter 3,41 gingen mit erhöhter Sterblichkeit einher
- Das Risiko verläuft in einer U-Kurve mit dem günstigsten Bereich zwischen 4,5 und 5,5
Eine weitere Studie im Journal of the American Heart Association (September 2024) belegte den Zusammenhang zwischen erhöhten BRI-Werten und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der BRI erwies sich dabei als überlegen gegenüber anderen anthropometrischen Indikatoren.
Dr. Kristina Lenz, Oberärztin und Leiterin des Adipositaszentrums der Helios Kliniken Schwerin, ordnet den BRI ein: "Der Body Roundness Index hat den BMI nicht abgelöst. Er bleibt in Kombination mit weiteren medizinischen Faktoren weiterhin ein weit verbreiteter Standard in der Adipositasmedizin."
Den BRI verbessern
Den BRI zu verbessern bedeutet, den Taillenumfang zu reduzieren. Ausdauersport baut viszerales Fett nachweislich effektiver ab als Krafttraining allein.
Wirksame Maßnahmen:
- Ausdauersport: Gehen, Radfahren, Schwimmen oder HIIT-Training reduzieren Bauchfett direkt. Mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche werden empfohlen.
- Ernährung: Verarbeitete Lebensmittel, zuckerhaltige Getränke und Alkohol fördern Bauchfett. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit magerem Protein und gesunden Fetten wirkt dem entgegen. Ihren täglichen Kalorienbedarf berechnen Sie ganz einfach mit unserem kostenlosen Rechner.
- Schlaf und Stress: Chronischer Schlafmangel erhöht den Cortisolspiegel, der die Bauchfettansammlung begünstigt. 7 bis 9 Stunden Schlaf pro Nacht sind optimal. Den idealen Schlafzeitpunkt berechnen Sie mit unserem Schlafrechner.
- Regelmäßige Kontrolle: Eine Messung alle 4 bis 8 Wochen unter gleichen Bedingungen, morgens nüchtern, liefert aussagekräftige Verlaufswerte.
Bereits eine Reduktion des Taillenumfangs um 5 bis 10 % kann das Herz-Kreislauf-Risiko spürbar senken. Liegt Ihr BRI dauerhaft über 5,46, empfiehlt sich eine hausärztliche Abklärung, die neben dem BRI auch Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte einbezieht.
Ausführliche Tipps zum Abbau von viszeralem Bauchfett bietet der AOK-Ratgeber zu Bauchfett.
Taillenumfang und WHO-Grenzwerte
Der Taillenumfang ist neben dem BRI ein eigenständiger Risikoindikator. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert folgende geschlechtsspezifische Grenzwerte:
Männer: unter 94 cm normal, 94 bis 101 cm erhöhtes Risiko, 102 cm und mehr stark erhöhtes Risiko.
Frauen: unter 80 cm normal, 80 bis 87 cm erhöhtes Risiko, 88 cm und mehr stark erhöhtes Risiko.
Diese Grenzwerte gelten unabhängig vom Körpergewicht. Unser Rechner zeigt die WHO-Risikoeinschätzung automatisch nach Eingabe des Geschlechts an.