Was ist das QTc-Intervall
Das QTc-Intervall ist die frequenzkorrigierte QT-Zeit aus dem Elektrokardiogramm (EKG). Das QT-Intervall misst die Dauer der ventrikulären Depolarisation und Repolarisation vom Beginn der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle.
Da das QT-Intervall bei steigender Herzfrequenz kürzer und bei sinkender Herzfrequenz länger wird, lassen sich Messwerte bei unterschiedlichen Herzfrequenzen nicht direkt vergleichen. Die Frequenzkorrektur ergibt das QTc-Intervall (c = corrected) und ermöglicht eine standardisierte Beurteilung unabhängig von der aktuellen Herzfrequenz.
Ein verlängertes QTc-Intervall erhöht das Risiko für lebensbedrohliche ventrikuläre Arrhythmien, insbesondere Torsade de Pointes. Die korrekte QTc-Berechnung ist daher ein zentraler Bestandteil der EKG-Befundung und der Arzneimittelsicherheit.
Wie funktioniert der QTc-Rechner
Unser QTc-Rechner berechnet die frequenzkorrigierte QT-Zeit nach fünf etablierten Formeln gleichzeitig. Man gibt drei Werte ein und erhält sofort das Ergebnis mit Risikoklassifikation.
Eingaben:
- QT-Intervall: gemessener Wert aus dem EKG in ms (Bereich: 100 bis 800 ms)
- Herzfrequenz: in bpm (Bereich: 20 bis 300 bpm) oder alternativ das RR-Intervall in ms (200 bis 3.000 ms)
- Geschlecht: Männlich oder Weiblich für geschlechtsspezifische Grenzwerte
Ergebnisse:
- QTc nach Bazett: Hauptergebnis in ms mit farbkodierter Risikoklassifikation (Normal, Grenzwertig, Verlängert, Stark verlängert)
- Risikozone: visuelle Darstellung der Position des berechneten QTc-Werts auf einer Farbskala
- Formelvergleich: QTc-Werte nach Bazett, Fridericia, Framingham, Hodges und Rautaharju im direkten Vergleich
- Referenztabelle: geschlechtsspezifische Grenzwerte für alle vier Risikozonen
- Rechenweg: schrittweise Berechnung aller fünf Formeln mit den eingegebenen Werten
Die QTc-Formeln
Für die QTc-Berechnung stehen mehrere etablierte Korrekturformeln zur Verfügung, die sich in ihrer mathematischen Grundlage und klinischen Genauigkeit unterscheiden.
1. Bazett-Formel (1920)
QTcB = QT / √RR (RR in Sekunden = 60 / Herzfrequenz)
Die Bazett-Formel ist der klinische Standard und in den meisten EKG-Geräten voreingestellt. Sie wurde vom Physiologen Henry Cuthbert Bazett 1920 im Heart Journal veröffentlicht. Bei Herzfrequenzen zwischen 60 und 100/min ist sie ausreichend genau. Sie überschätzt das QTc bei Tachykardie (HF > 100/min) und unterschätzt es bei Bradykardie (HF < 60/min).
2. Fridericia-Formel (1920)
QTcF = QT / ∛RR (Kubikwurzel des RR-Intervalls)
Die Fridericia-Formel verwendet die Kubikwurzel statt der Quadratwurzel und zeigt eine geringere Abhängigkeit von der Herzfrequenz. Sie wird von der FDA und der ICH E14 Guideline für pharmakologische Studien bevorzugt.
3. Framingham-Formel (1992)
QTcFra = QT + 0,154 × (1.000 − RR in ms)
Die Framingham-Formel basiert auf einer linearen Regression aus der Framingham Heart Study und ist bei sehr hohen oder sehr niedrigen Herzfrequenzen eine robuste Alternative.
4. Hodges-Formel (1983)
QTcH = QT + 1,75 × (Herzfrequenz − 60)
Die Hodges-Formel korrigiert das QT-Intervall linear anhand der Herzfrequenz und liefert bei extremen Herzfrequenzen gute Ergebnisse.
5. Rautaharju-Formel
Die Rautaharju-Formel berücksichtigt das Geschlecht und bietet damit eine individualisierte Frequenzkorrektur für Männer und Frauen. Sie ist als fünfte Methode in unserem Rechner integriert.
Normalwerte des QTc-Intervalls
Die QTc-Grenzwerte sind geschlechtsspezifisch, da Frauen physiologisch ein etwas längeres QT-Intervall aufweisen als Männer:
| Kategorie | Männer (ms) | Frauen (ms) |
|---|---|---|
| Normal | < 440 | < 450 |
| Grenzwertig | 440 bis 460 | 450 bis 470 |
| Verlängert | 460 bis 500 | 470 bis 500 |
| Stark verlängert | > 500 | > 500 |
Ein QTc-Wert über 500 ms gilt bei beiden Geschlechtern als hochriskant und erfordert sofortige klinische Abklärung. Eine einzelne Messung reicht nicht für eine Diagnose. Der Mittelwert aus mindestens 3 konsekutiven Zyklen in Ableitung II oder V5 wird empfohlen.
Was eine QTc-Verlängerung bedeutet
Eine QTc-Verlängerung erhöht das Risiko für vorzeitige Aktionspotenziale während der späten Repolarisationsphase. Das kann zu schweren ventrikulären Arrhythmien führen:
- Torsade de Pointes (TdP): Eine polymorphe ventrikuläre Tachykardie mit charakteristischer spindelförmiger Modulation der QRS-Amplitude. Sie kann spontan terminieren, aber auch in Kammerflimmern degenerieren und zum plötzlichen Herztod führen. Das Risiko steigt deutlich ab einem QTc > 500 ms. Die akute Therapie umfasst intravenöses Magnesium.
- Kammerflimmern: Vollständige Desorganisation der elektrischen Herzaktivität mit Verlust der Pumpfunktion.
Das kongenitale Long-QT-Syndrom (LQTS) ist eine Gruppe genetischer Ionenkanalopathien. Die häufigsten Subtypen sind LQT1 (KCNQ1-Mutation, Ereignisse bei körperlicher Belastung), LQT2 (KCNH2-Mutation, Ereignisse bei emotionalem Stress) und LQT3 (SCN5A-Mutation, Ereignisse in Ruhe und im Schlaf). Die Therapie umfasst Betablocker und die Vermeidung von QT-verlängernden Medikamenten.
Ursachen einer QTc-Verlängerung
Eine QTc-Verlängerung kann verschiedene Ursachen haben:
- Elektrolytstörungen: Hypokaliämie, Hypomagnesiämie und Hypokalzämie
- Genetische Erkrankungen: kongenitales Long-QT-Syndrom (Romano-Ward-Syndrom, Jervell- und Lange-Nielsen-Syndrom)
- Herzerkrankungen: Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt, Bradykardie (< 50/min)
- Medikamente: zahlreiche Arzneistoffe mit QT-verlängernder Wirkung
- Weitere Faktoren: Pathologien des zentralen Nervensystems, Hypothermie, Hypothyreose, weibliches Geschlecht, hohes Alter und Niereninsuffizienz
QT-verlängernde Medikamente
Zahlreiche Arzneistoffe können das QT-Intervall verlängern und das Risiko für Torsade de Pointes erhöhen. Besonders bei Kombination mehrerer QT-verlängernder Substanzen steigt das Risiko erheblich:
- Antiarrhythmika: Amiodaron, Sotalol, Flecainid, Dronedaron
- Antibiotika: Erythromycin, Azithromycin, Clarithromycin, Moxifloxacin
- Antipsychotika: Haloperidol, Quetiapin, Ziprasidon, Thioridazin
- Weitere Arzneistoffe: Citalopram, Escitalopram, Ondansetron, Methadon, Hydroxychloroquin
Eine aktuelle, evidenzbasierte Risikobewertung für QT-verlängernde Arzneimittel bietet die Datenbank CredibleMeds.
Vor der Aufnahme eines QT-verlängernden Medikaments in die Therapie sollte eine Risiko-Nutzen-Analyse durchgeführt werden, insbesondere wenn weitere Risikofaktoren vorliegen.
Das QT-Intervall korrekt messen
Das QT-Intervall wird vom Beginn der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle gemessen. Für eine korrekte Messung gelten folgende Empfehlungen:
- Alle Ableitungen des EKGs beurteilen und die Ableitung mit dem längsten QT-Intervall verwenden (meist V2 oder V3)
- Mittelwert aus mindestens 3 bis 5 konsekutiven QT-Intervallen bilden
- U-Wellen nicht in die Messung einbeziehen, außer wenn sie mit der T-Welle verschmolzen sind
- Bei Vorhofflimmern den Mittelwert aus 5 aufeinanderfolgenden Zyklen verwenden oder die "half-RR"-Methode anwenden
- Bei Schenkelblockierungen die Formel QTm = QT − 50 % des QRS anwenden, bevor die Frequenzkorrektur erfolgt
Eine Variabilität der QT-Zeit zwischen verschiedenen Ableitungen (QT-Dispersion) von über 100 ms kann auf eine potenziell gefährliche Repolarisationsstörung hinweisen.
⚠️ Dieser Rechner dient der klinischen Orientierung und ersetzt nicht die individuelle Beurteilung durch eine Ärztin oder einen Arzt.
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